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Willst Du beeindrucken oder in Verbindung gehen?

Wie sich meine innere Rüstung aktiviert, wenn ich KI-generierte Beiträge in den sozialen Medien lese.

17. Februar 2026 | Beziehung, Entwicklung

Willst Du beeindrucken oder in Verbindung gehen?

Durch meine Selbstständigkeit beschäftige ich mich seit einem Jahr immer wieder damit, wie ich meine Angebote bekannt machen und potentielle Kunden erreichen kann.
Dafür bieten sich in unseren Zeiten natürlich die sozialen Medien an, wo ich ohne große externe Unterstützung eigene Inhalte erstellen und veröffentlichen kann. Zudem sind dort potentiell auch viele Menschen erreichbar. Wobei ich von Anfang an keine große Lust hatte, noch mehr Zeit am Rechner zu verbringen und den ganzen Zirkus der Aufmerksamkeitsökonomie mitzumachen.

Mein Nordanteil hat mich dann allerdings überzeugt, mich zumindest mal mit den verschiedenen Kanälen auseinanderzusetzen und zu prüfen, ob nicht doch ein Medium dabei ist, das zu mir, meiner Art und meinem Angebot passt.
Nach ein bisschen Recherche und Schulungen zu den verschiedenen Anbietern habe ich mich dafür entschieden, LinkedIn eine Chance zu geben. So wie ich es verstanden habe, ist es ein Netzwerk, bei dem es mehr um inhaltlichen Austausch geht und über die verschiedenen Beiträge Diskussionen entstehen können und gemeinsames Lernen möglich ist.
Laut Aussage eines mir bekannten Leiters eine SocialMedia-Agentur sollen auch 10 Minuten pro Tag vollkommen ausreichend sein, um in die Präsenz zu kommen. Gute Tipps hatte er noch dazu, dass es für die eigene Sichtbarkeit z.B. besser ist, mit einem kurzen Satz auf einen Beitrag zu reagieren, als nur mit einem Daumen hoch.

Also hab ich mir einen neuen Account angelegt, die Grundinformationen eingepflegt und mir immer wieder den Feed angesehen (die Übersicht, welche Beiträge meine Kontakte selbst erstellt oder geteilt haben). Zwei oder drei Tage war das auch recht spannend, weil ich auch neue Eindrücke bekommen habe, wofür sich die mit bekannten Menschen noch interessieren, was ich so in unserem täglichen Kontakt einfach nicht mitbekomme. Und es gab auch immer wieder interessante Beiträge von mir nicht bekannten Menschen, zu Digitalisierungsprojekten, Führungsthemen, agilem Projektmanagement und noch vielen mehr.
Schwupp-di-wupp waren schnell mehr als 10 Minuten vergangen, wenn ich ein bisschen gestöbert habe. Ohne dass ich großartig kommentiert oder geliked habe. Wenn ich mich dann wieder losgerissen habe, hatte ich allerdings auch gar nicht mehr viel von dem in Erinnerung, was ich gerade gelesen hatte.
Nachdem ich meine Anfangseuphorie überwunden hatte, ist mir auch aufgefallen, dass ich nach meinen Besuchen auf LinkedIn deutlich weniger Energie hatte als zuvor.

Aus diesen Eindrücken sind nach und nach zwei Fragen in mir aufgetaucht:
– Weshalb finde ich so wenig Anhaltspunkte für Interaktion, obwohl die Texte mich inhaltlich interessieren?
– Wieso ist die Energie nach dem Lesen der Beiträge niedrig als zuvor? Kenne ich es nicht andersrum, dass ich durch inspirierende Texte angeregt bin und mich wacher fühle?

Auch wenn ich den Fragen nicht aktiv nachgegangen bin, hatte ich irgendwann eine Spur zur Antwort: Mit den Beiträgen fühlt es sich ähnlich an, wie wenn ich Menschen zuhöre, die berichten. Beim Berichten werden die Fakten möglichst in logischer Reihenfolge nacheinander aufgereiht, damit ein Zuhörer oder Leser alles möglichst gut kognitiv nachvollziehen kann. Nüchtern, sachlich, ohne persönlichen Bezug oder Emotionen. Gut, um sich einen Überblick zu verschaffen. Und gleichzeitig durch die weggelassenen Emotionen keine Möglichkeit, in Beziehung zu dem Text oder dem Menschen hinter dem Bericht zu gehen. Und das saugt Energie, weil der Körper und die Seele suchen und kein Gegenüber finden.

Und dann, der nächste Gedanke: Weil es vielleicht kein menschliches Gegenüber hinter dem Beitrag gibt, sondern nur eine KI? Oh, jetzt wird die Spur richtig interessant, bin ich doch KI gegenüber eher skeptisch eingestellt.
Und dann lasse ich viele Beiträge nochmal Revue passieren und schaue mir einige auch nochmal an, spüre in mich rein, was beim Lesen passiert.
Bei manchen Beiträgen merke ich, wie meine Brust eng wird, mein Atem flacher und ich in den Kopf gehe. Das passiert ganz oft bei den Beiträgen mit den kurzen Sätzen, Zeilenumbrüchen nach ganz wenigen Worten, Drei-Wort-Slogans oder “das ist nicht…, das ist…”.
Jetzt gerade hab ich das übrigens nochmal gemacht und ich bin überrascht. In den Kopf gehen hab ich schon vermutet. Aber dass die Brust eng wird, weil etwas in mir mich schützen möchte, hatte ich nicht auf dem Schirm.
Und gleichzeitig wundert es mich überhaupt nicht. Denn wenn ich näher hinschaue, wirken manche (viele??) Beiträge wie Anklageschriften im Gerichtssaal. Bääm, Bääm, Bääm. So war es, so ist es, Du brauchst gar nicht anzufangen, zu diskutieren.

Spannend, wo ich jetzt gerade rausgekommen bin. Mein ursprünglicher roter Faden hinter diesem Beitrag war ja “KI kann keine Beziehung aufbauen, Menschen schon”, weil ich gedacht habe, die Texte sind so glatt und sachlich, dass ich nichts zum greifen finde.
Dass ein Teil von mir beim Lesen sogar die Rüstung anlegt und ich in Verteidigung gehe, ist nochmal eine ganz andere Wirkung. Nicht nur, dass sich der Aufwand für das Erstellen und Lesen des Beitrags nicht lohnt, weil keine Beziehung entsteht. Das ganze wird sogar kontraproduktiv, weil ich den nächsten Beiträgen aus dem Weg gehen werde.
Und das auf einem Medium, auf dem eigentlich Kontakte geknüpft werden sollen…

Normalerweise kommt an der Stelle immer der Werbeblock, um die Verbindung zwischen meinem Text, meiner Arbeit und Deinem Leben zu knüpfen. Das wird an der Stelle richtig schwierig, weil ich zwar selbst gerne schreibe, aber mich nicht als Unterstützer fürs Texten sehe. Wenn Du allerdings im richtigen Leben immer wieder mal hörst “ich kann Dich nicht spüren” oder Du merkst, dass Menschen müde werden, wenn Du Deine Geschichte erzählst, dann können wir uns das mal gemeinsam anschauen…

Und warum findest Du den Text jetzt doch auf LinkedIn? Für mich als eher faulen Menschen ist Zweitverwendung mit wenig Aufwand schon eine sinnvolle Sache. Und ich bin auch neugierig, ob jemand auf meinen Beitrag reagiert…